Virtuelle Rekonstruktion der Kirche St. Maria im Kapitol zu Köln


Durch verschiedene freundschaftliche Verbindungen, bin ich regelmäßiger Gast in der Stadt Köln. Schon immer faszinierten mich die Kirchen dieser traditionsreichen Stadt. Neben dem Dom - Fraglos dem Touristenmagneten Nummer eins - wartet die Stadt mit einer Vielzahl von bauhistorisch außerordentlich wertvollen Kirchen auf. Unter ihnen sind es sicherlich die zwölf romanischen Kirchen, die die größte Bedeutung, sowohl für das Stadtbild, als auch für die Architekturgeschichte haben. Fast alle von ihnen wurden während des Krieges zerstört und danach wieder aufgebaut. So auch die Kirche St. Maria im Kapitol. Dabei wurde auch hier, wie in vielen anderen Fällen, nicht der Originalzustand wiederhergestellt, sondern eine vereinfachte, purifizierte Fassung - ganz im Sinne der Zeit. So wurde etwa statt des gotischen Kreuzgratgewölbes, das die Kirche seit etwa 1240 überwölbte, eine hölzerne Flachdecke eingezogen. Darüber hinaus entfernte man an der Apsis die Zwerchgalerie, die Strebepfeiler, und überdies in den Fenstern das Maßwerk.
Man wollte so einen vermeintlich mittelalterlichen Urzustand wiederherstellen.
Letztlich führten alle diese Maßnahmen jedoch nur dazu, dass die Kirche den Großteil ihres Charmes verlor, sie teilweise den Charakter einer Turnhalle annahm, was wiederum zu einem Gutteil das heutige Schatten-asein dieses Baudenkmals bedingt.
Mein Ehrgeiz war nun, durch eine virtuelle Rekonstruktion den ursprünglichen Zustand der Kirche, beziehungsweise den, welchen die Kirche vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hatte, optisch wieder erfahrbar zu machen. Basierend auf einem Aufmaß der Kirche aus dem Jahre 1913, war es möglich, diesen weitgehend originalgetreu wiederherzustellen. Nach dem Vorbild einer virtuellen Rekonstruktion des Kölner Domes, entschloss ich mich dazu, zur besseren Übersichtlichkeit das gesamte Gebäude monochrom herzustellen. Dabei entstand sowohl die Kirche als solche, sowie auch ihre Nebengebäude nach dem Stand, den sie bis zu ihrer Zerstörung hatten. Aus zeitlichen Gründen beschränkte sich die Rekonstruktion dabei bisher ausschließlich auf die Gebäude als solche, nicht aber auf die Inneneinrichtung. An dieser arbeite ich bis heute, so dass sukzessive Stück um Stück eine Gesamtrekonstruktion des Vorkriegszustandes entstehen wird. Nach der endgültigen Fertigstellung der Rekonstruktion, wird das Modell in Form einer Animation in all seiner Körperlichkeit erfahrbar werden. Ganz wie im Falle der Kölner Dom-Animation, wird dann eine vollständige Visualisierung dem Verein “Romanische Kirchen in Köln” zur Verfügung gestellt, damit dieser es in der Kirche zeigen kann.
Bleibt zu hoffen, dass diese Bilder dem einen oder anderen den ungeheuren Mehrwert des ursprünglichen Zustandes der Kirche vor Augen führt und ihn dazu bringt, sich für eine vollständige Rekonstruktion der Kirche einzusetzen.